Vorfertigung

„Wenn wir die vergangenen 20 Jahre betrachten, sehen wir, dass sich Planungs-  und Bauprozesse extrem verkompliziert haben. Trotz der vielen interessanten Ansätze für eine Vereinfachung nehmen technische Regelungen und Anforderungen derzeit noch immer zu. Demgegenüber steht ein eklatanter Fachkräftemangel sowohl in der Planung als auch im Bau und so stößt die Umsetzbarkeit zunehmend an ihre Grenzen. Sehr lange hat sich das Bauen zeitgemäßen Herstellungsprozessen verweigert, Prototypen werden immer wieder aufs Neue verhandelt, der das Bauen ist Vergleich zu fast jeder anderen Fertigungsprozess noch immer archaisch. Als Konsequenz und radikale Gegenbewegung erleben wir derzeit einen Boom des seriellen Bauens, bei dem an die Stelle des bisherigen Planungsprozesses fertige Systemlösungen treten. Was für Auftraggeber wegen seiner Berechenbarkeit attraktiv erscheint, beschränkt gleichzeitig die Möglichkeiten der Architekten, für Ort und Aufgabe angemessene Lösungen zu finden. Sie müssen innerhalb fertiger Systeme arbeiten und sind weitgehend von der Ausarbeitung ausgeschlossen. Wie wir Architekten in Zukunft arbeiten werden, wird unserer Auffassung nach davon abhängen, welche sinnvollen alternativen Lösungsansätze wir entwickeln um auf diese Herausforderungen Antworten zu geben. Ziel muss es aber dabei unserer Überzeugung nach bleiben, das Bauen weiterhin für jede einzelne Aufgabe an jedem speziellen Ort neu betrachten zu können und ein Instrumentarium zu haben, mit dem wir darauf überzeugende Antworten geben können.“ Matthias Marschner