Hochlandhütte Mittenwald
Auf 1630 m NHN liegt die Hochlandhütte der Sektion Hochland des DAV oberhalb von Mittenwald. Das 1909 gebaute Hauptgebäude wurde 1985 durch ein Nebengebäude ergänzt. Die Schutzhütte der Kategorie I bietet von Juni bis Oktober Raum für 41 Übernachtungs- und 60 Tagesgäste. Brandschutztechnische sowie funktionale Mängel machen den Rückbau des Nebengebäudes und den Neubau eines Teilersatzbaus notwendig. Der neue Baukörper schafft funktionale, räumliche sowie gestalterische Optimierungen. Das Architekturbüro R ′ TUR plante den Entwurf, wir starteten in der LP 5. Unsere Planung versteht sich als direkte Weiterentwicklung und architektonische Umsetzung der Leitgedanken vom Deutschen Alpenverein (DAV). Es fließen zentrale Vorgaben und Zielsetzungen des DAV`s ein, die auf eine nachhaltige, ökologische und beispielhafte Bauweise ausgerichtet sind. Die dabei festgelegten Bewertungskriterien – von gestalterischer Qualität über funktionale Konsequenz und Energieeffizienz bis hin zu modularer Umsetzbarkeit und einer bewussten Interaktion mit der Umgebung – bildeten für uns die Grundlage sämtlicher Entscheidungen bezüglich einer konstruktiv sinnvollen und langlebigen Umsetzung. Wir verfolgen den Anspruch, den „besonderen Fokus auf die Verwendung von nachwachsenden sowie regional verfügbaren Materialien“ zu legen und den Gedanken der Suffizienz ernst zu nehmen. Das bedeutet für uns nicht nur, mit weniger auszukommen, sondern bewusst auf das Wesentliche zu reduzieren – sowohl in der Konstruktion als auch in der gestalterischen Sprache des Gebäudes.
Der durch den Klimawandel verursachte Wassermangel hat auf der Hütte zu einem Umdenken geführt. Aufgrund ausbleibender Niederschläge im Winter entstehen kaum noch Schneefelder, die sonst die Quellen speisen. Reservetanks sichern vorübergehende die Wasserversorgung. Doch müsste die Hütte geschlossen werden, wenn kein Quellwasser mehr für die Toilettenspülung zu Verfügung steht. Um dem entgegenzuwirken, sind für den neuen Sanitärbereich jetzt Trockentrenntoiletten geplant, um das kostbare Wasser der Toilettenspülung einzusparen.
Ein zentrales Element unserer Leitidee ist der Einsatz von Dübelholzwänden, die vollständig leimfrei hergestellt werden. Diese ermöglichen eine sortenreine, vollständig rückführbare Bauweise und tragen wesentlich zur Nachhaltigkeit des Gebäudes bei. Dabei ist diese Bauweise äußerst robust und modular im Handwerksbetrieb aufzubauen. Diese Technik verbindet einzelne Holzbalken mittels getrockneter Buchendübel statt chemischer Klebstoffe. Damit bleibt das Material sortenrein, vollständig leimfrei und eignet sich optimal für eine spätere Wiederverwendung oder thermische Verwertung. Die Konstruktion orientiert sich an der historischen Massivholzbauweise und bildet das tragende Gerüst der Hütte.
Die Fassade wird als vertikale Boden-Deckel-Schalung ausgeführt und konstruktiv vom Holzsockel getrennt. Die heimische Tanne hat sich im traditionellen alpinen Bauen als dauerhaft und wetterbeständig bewiesen.
So wurde sie schon bei alten Bauernhäusern auf den Wetterseiten als Fassade eingesetzt, als Schindelfassade und sogar als Schindeldach genutzt.
Im Sinne der Nachhaltigkeit wurde für die Bodenplatte bewusst auf eine herkömmliche Stahlbeton-Konstruktion verzichtet und stattdessen eine Holzbodenplatte als Holzrahmenkonstruktion umgesetzt. Dafür wurde das neue Nebengebäude aus dem Erdreich hochgesetzt, damit eine ausreichende Belüftung und durch die Einhaltung der Mindestabstände zum Gelände ein dauerhafter Schutz vor Schäden durch Erdfeuchte gewährleistet ist. Die Holzbodenplatte mit Nut- und Federbohlen ist gleichzeitig der nutzbare Bodenbelag im Innenraum.
In den Schlafräumen im Obergeschoss und im Trockenraum im Erdgeschoss sorgt ein Lehmputz für ein ausgeglichenes Raumklima. In den Schlafräumen wird immer jeweils eine Wand mit Lehmputz ausgeführt. Aufgrund seiner feuchteregulierenden Eigenschaften nimmt Lehm überschüssige Feuchtigkeit aus der Raumluft auf und gibt sie bei Bedarf wieder ab. Dadurch wird nicht nur die Luftqualität verbessert, sondern auch die Bausubstanz geschont. Um die Oberflächen im Bereich der Betten besonders abriebfest zu machen, wird eine zusätzliche Schlemme aufgetragen. Die fugenlose Verarbeitung erschwert zudem das Ansiedeln von Bettwanzen. Als natürlicher Baustoff lässt sich Lehm problemlos in den Rohstoffkreislauf zurückführen. Die Raumluftqualität wird durch den Lehmputz in den Schlafräumen merklich verbessert werden.